Spirituelle Impulse der Schulseelsorge

Monatsimpuls Juli 2017

Liebe Schulgemeinde,
im diesjährigen Abiturgottesdienst unserer Friedensschule spielte eine Erzählung über einen Habicht eine große Rolle. Der Habicht wurde gefangen genommen und man zwang ihn, mit und bei den Hühnern zu leben. Er verlor dabei seinen Charakter, seine Identität.
Nach mühsamer Arbeit gelang es dem Habicht mit Hilfe eines Naturforschers aus diesen Zwängen herauszukommen. Er brauchte dafür drei Versuche. Beim dritten Mal hielt der Naturforscher den Habicht direkt in die Sonne, in das Licht Gottes. Ängstlich breitete der Habicht schließlich seine Flügel aus und lebte fortan wieder seine Bestimmung. Er lebte das, wozu er von Gott erwählt wurde.
Die folgenden meditativen Gedanken haben Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs überlegt und formuliert. Vielleicht können die Ferien eine gute Möglichkeit sein, über unser Leben und über unsere Identität nachzudenken.
Ich lade Sie dazu ein und wünsche allen erholsame und gesegnete Ferien.
Thomas Laufmöller (Pastor der Friedensschule)

Monolog: Habichtfänger

Ich habe den Habicht eingefangen.
Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, was der Habicht braucht und was sein Wesen ist, sondern habe seine Bedürfnisse missachtet.
Ich habe nur an mich selbst gedacht.
Ich habe ihn für meine eigenen Zwecke genutzt, um mich zu amüsieren, mich zu profilieren und zu experimentieren.
Ich dachte, ich könnte ihn nach meinen Vorstellungen formen und ich habe alles dafür getan.
Ich wollte seine Individualität nicht anerkennen.
Ich wollte ihn in eine Rolle zwängen, die ihm nicht entspricht.
Ich wollte über ihn bestimmen.

Monolog: Habicht

Ich bin ein Habicht und es gab eine Zeit, da habe ich mein Wesen verloren.
Ich weiß auch nicht wie, ich habe es gar nicht gemerkt. Und hatte auch nicht die Kraft, mich dagegen zu stellen. Irgendwann habe ich akzeptiert, was man aus mir gemacht hat.
Es war total schwer, aus dieser Rolle wieder heraus zu kommen. Ich hatte anfangs keinen Mut, etwas Neues anzufangen, doch dann habe ich in mein Innerstes hineingehört und mein Naturell wieder erkannt.
Ich habe alle Kraft, allen Mut zusammengenommen, meine Flügel ausgebreitet und das getan, was ich am besten kann - FLIEGEN