Internationale Klasse - Friedensschule ist bunt

In 50 Jahren Friedensschule, gab es viele Erfolgsgeschichten, dies ist eine davon.

"Ich habe so tolle Schüler, die lernen alle so gerne und sind so fleißig, deswegen schaffen wir auch wirklich viel." Frau Thordsen, die Lehrerin der internationalen Klasse, schwärmt geradezu von ihren Schülern.

Die Friedensschule steht schon seit vielen Jahren für Respekt und harmonisches Miteinander, viele Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen der Welt kommen hier zusammen, lernen zusammen, leben zusammen. Die internationale Klasse ist ein Ort, an dem zugewanderte Lernende gemeinsam die deutsche Sprache die deutsche Kultur lernen.

Es war zuerst nur eine Idee, doch aus dieser Idee entwickelte sich ein Konzept. "Wir sahen uns in der Pflicht", sagt der stellvertretende Schulleiter Christoph Feder und erinnert sich, es habe eigentlich keine große Diskussion um das Thema gegeben: "Es war klar, dass wir als katholische Gesamtschule den Menschen helfen müssen, welche neu in dieses Land migrieren", betont er. Der Vorstand setzte die Initiative, die Lehrerkonferenz befürwortete den Vorschlag und schon gingen die Planungen los. 2016 war es dann soweit: Lernende aus mehr als zehn verschiedenen Ländern bildeten die internationale Klasse. Jugendliche, die mit ihren Eltern aus europäischen Ländern zu uns kamen, aber auch Kinder, die vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland geflohen waren. Damals noch unter der Lehraufsicht von Frau Sabine Yündem, lernten die Schüler erste Worte und Grammatik auf Deutsch. Alle saßen im gleichen Boot. Eine Gemeinschaft bildete sich.

Die internationale Klasse hat ihren eigenen Klassenraum, ihre eigenen vier Wände. Was ehemals den Medienraum dargestellt hatte, ist nun kaum wiederzuerkennen. Die Schülerinnen und Schüler haben ihren Klassenraum ganz nach ihren Wünschen und Ideen gestaltet. So bunt wie der Raum nun ist, so bunt, vielfältig und mehrsprachig sind auch die Lernenden. Alle Schülerinnen und Schüler kommen mit anderen Voraussetzungen nach Deutschland, manche sind noch nie zur Schule gegangen, können weder lesen noch schreiben. Svenja Thordsen ist sich sicher: "Großgruppenunterricht ist so nicht möglich", vielmehr sei individuelle Beratung der Schlüssel zum Erfolg. Obwohl erst seit Januar 2018 an der Friedensschule beschäftigt, kennt sie ihre Schützlinge ganz genau. Nachdem ihre Vorgängerin die Schule verließ, übernahm sie das Ruder und bildete ganz neue Lerngruppen, bestehend aus zwei bis drei Schülern, in denen diese nun arbeitet.

Natürlich nicht die ganze Zeit hindurch, sondern lediglich nur drei Stunden in der Woche. "Die Schüler haben sich für kleinere Gruppen, mit weniger Wochenstunden dafür aber mehr Hausaufgaben entschieden", so Frau Thordsen. Den Rest der Woche seien sie in der Regelklasse, in welcher sie ganz normalen Unterricht erhalten: Englisch, Bio, Geschichte, das volle Programm. Den Unterricht, in den wenigen Wochenstunden, hat Frau Thordsen in drei Teile gegliedert: Sprachwissen, Landeskunde und Lernautonomie, so will sie sicher gehen, dass die Lernenden gut für die deutsche Gesellschaft vorbereitet sind und sich in dieser zurecht finden. Das benötige intensive Vor- und Nachbereitung, aber Frau Thordsen versichert: "Ich habe so tolle Lernende, die lernen alle so gerne und sind so fleißig, deswegen schaffen wir auch wirklich viel."

Dies unterstützt auch Frau Lackamp, die Lehrerin, welche schon seit 1980 an der Schule arbeitet, gibt dem 18-jährigen Hassan aus der 10. Klasse seit zwei Jahren Mathematik Nachhilfeunterricht. ,,Hassan hat in zwei Jahren eigentlich das gelernt, was andere in acht Jahren lernen´´ und es sei einfach unglaublich schön, als Lehrerin zu merken, das Wissen so aufgesogen würde, von einem Schüler. Sichtlich gerührt von dem Thema verspricht sie, das obwohl sie bald in Pension gehen würde, sie weiterhin mit Flüchtlingen arbeiten möchte, da es einfach so viel Spaß mache. Regel-, Nachhilfe-, sowie der Unterricht in der internationalen Klasse ergänzen sich so, dass die beste Förderung für die Jugendlichen zustande kommt.

Doch auch neben dem normalen Unterricht haben die Lernenden schon viel miteinander erlebt. Bei verschiedenen Projekten, wie zum Beispiel einem Elternnachmittag, dem gemeinsamen kochen oder dem Besuch von Herr Bertram betonten und feierten sie ihre Heterogenität. "Wir sind alle verschieden und das ist auch gut so!"

Auch zurzeit bietet Frau Thordsen verschiedene Aktivitäten an: In einem Konversationsunterricht, welcher für alle Schülerinnen und Schüler der Friedensschule gedacht ist, nicht nur für Lernende der internationalen Klasse, werden Spiele gespielt, die das Sprachvermögen verbessern, wie zum Beispiel "Tabu". "Es macht Spaß und gleichzeitig lernt man was, aber nur unterschwellig, in erster Linie geht es um die Integration. Oft ist dann auch gar nicht aufgefallen, wer geflüchtet ist und wer nicht." Ein unfassbarer großer Fortschritt in die richtige Richtung.

Abschließend stellt sich die Frage: Ist das Ganze denn nun ein gelungenes Konzept? Bei dieser Frage sind sich wohl alle Beteiligten der Antwort bewusst: Ja, das ist es, Integration auf der Friedensschule funktioniert sehr gut. Integration bedeutet nicht nur bei anderen in Ruhe zu leben, es bedeutet vielmehr mit anderen zusammen zu leben. Ein funktionierender Teil der Gesellschaft zu sein und genauso behandelt zu werden, wie jeder andere, das ist wahre Integration. Dies ist etwas, was Friedensschule hervorragend vollbringt, sie lässt den Lernenden Chancen und eröffnet ihnen neue Türen. Hassan wird zum Beispiel im Sommer 2018 seinen Hauptschulabschluss machen, eine Lehre zum Maler und Lackierer ist ihm mit abgeschlossener Schulausbildung schon sicher. Sara hingegen strebt ihren Realschulabschluss an, das 15-jährige Mädchen aus Afghanistan, welches seit zwei Jahren die Klasse besucht, hat hohe Ziele: sie möchte Doktor oder Pilotin werden. Alle diese Träume und Ziele können nur dank der internationalen Klasse und der Friedensschule an sich erreicht werden.

Tobias Jander

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Frau Svenja Thordsen

DaZ-Lehrerin der Internationalen Klasse. Mehr ...

Frau Dorit Kleinen

Diplom-Psychologin beim Caritasverband Münster
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