Gedenkstättenfahrt 2017

Krakau, angekommen in Polen

In Krakau überwiegt die Betrachtung der jüdischen Geschichte. Schon im Mittelalter werden die Juden ausgegrenzt. Doch der Schritt hin zur Bildung des Ghettos und zur Vernichtung markiert das Alleinstellungsmerkmal des Nationalsozialismus. Insofern ist es das jüdische Viertel Kazimierz, dessen Synagogen und Friedhöfe die Gruppe primär interessieren.
Die Fabrik des Oskar Schindler hingegen ist ein neu entstandener Teil des polnischen Kultur- und Gedenkguts, das erst im Anschluss an den Film Schindlers Liste entstanden ist, weil die Nachfrage dies erforderlich machte. Denn die Besucher kamen und wollten die Fabrik besichtigen. Und so bemühte sich der polnische Staat um eine angemessene Würdigung dieses Raumes.
Vor den Stadttoren ist ein breiter Grünstreifen zu erkennen, dessen Begehung zu einem großen sozialistisch anmutenden Denkmal führt. Es ist das ehemalige Konzentrationslager Plaszow, dessen Territorium die Gruppe betritt. Die Villa des brutalen Aufsehers Amon Göth wird gerade von privaten Eigentümern in ein komfortables Wohnhaus umgebaut. Beinahe alle Spuren der grausamen Vergangenheit sind verwischt worden, "(...) es macht mich traurig und fassungslos, wenn das Leid der Menschen, die hier sterben mussten, so leichtfertig vergessen wird.", bilanziert Noah aus der Q1.
Schon am Freitag geht es weiter - das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz ist die letzte Station dieser Fahrt. Tagungsleiter Moritz Reher (Konrad-Adenauer-Stiftung) sieht die Schwierigkeiten dieser Konfrontation, wenn er sagt: "Für die Schüler wird das sicherlich eine schwierige Begegnung, aber Erinnerungsarbeit ist nicht immer einfach, vor allem bei unserer komplexen Geschichte." Doch genau dieser Herausforderung müssen wir uns stellen, wenn wir verstehen und lernen wollen aus den Fehlentwicklungen der Vergangenheit.

Das kulturelle Highlight: Dresden

Die erste Station dieser Fahrt erreicht die Gruppe beinahe im Flug am Montagnachmittag: Dresden, das kleine Elbflorenz, erstrahlt im prächtigen Glanz.
 Und während die Freude über den anstehenden Fußmarsch anhält, betreten die Teilnehmer das Gelände des Zwingers, der als Befestigungsanlage hätte dienen sollen. Schließlich fungiert das quadratische Areal tatsächlich als Festplatz, das bestätigen viele Besucher, die hier ihren sonnigen Nachmittag verbringen. Die Frauenkirche, prächtig wieder aufgebaut, wird kurz vor Toresschluss erreicht, sodass der Eintritt und damit der Blick über die Stadt gesichert ist. Das obligatorische Gruppenfoto erscheint als Eye-Catcher zum Artikel. Die Semperoper, die pompöse Hofkirche und das Residenzschloss mit seinem Fürstenzug, der den langen Gang mit allen Fürsten des Geschlechts Wettin bebildert, zeigen die Verbindung Sachsens mit Polen über den sächsischen König August den Starken, der auch die polnische Königskrone im Jahr 1796 erworben hat. Sicherlich bedurfte es für diesen machtstrategischen Akt eines nicht ganz unwichtigen Zeichens: August musste als König des protestantischen Sachsens zum Katholizismus konvertieren, um auch die polnische Krone zu erwerben. Erkennbar deutlich ist auch der Vater-Sohn-Konflikt des Konvertiten mit seinem Nachfolger dargestellt, dieser erscheint im Fürstenzug lediglich als schütterer Schatten seines Vaters.

Über die älteste Brücke der Stadt lassen sich die Brühlschen Terrassen komfortabel erreichen. Damit findet der abendliche Stadtrundgang einen ersten Höhepunkt auf dem sog. BALKON EUROPAS zu den Füßen des Goldenen Reiters, der als römischer Caesar in nordöstliche Richtung reitet. Sie dürfen raten, welche Person hier gezeigt wird!
[DET]

Krankenmord auf Pirna-Sonnenstein, ein "Vorlauf der Endlösung" Gedenkstättenfahrt der Friedensschule (2017)

Eine weitere Station der historischen Bildungsfahrt ist die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein, eine ehemalige Heil- und Pflegeanstalt, die 1940 von der Berliner "Euthanasie"-Zentrale eingerichtet worden ist.

Damit zeigt sich ein dem öffentlichen Bewusstsein kaum bekannter Ort,  an dem von 1940-41 erwiesenermaßen mindestens 14.720 Menschen ermordet worden sind, weil sie von nationalsozialistischen Ärzten als "krank"  bezeichnet wurden. Duschraum, Gaskammer und Leichenkeller sind erst nach 1989 entdeckt und für die historische Arbeit freigegeben worden. Die Schüler werden so mit den Folgen dieser unmenschlichen Verwertbarkeitsideologie konfrontiert.

Aber auch die Predigt Kardinal von Galens findet hier als Stimme des Widerstands gegen "Euthanasie" Beachtung: "Nie, unter keinen Umständen darf der Mensch außerhalb des Krieges und der gerechten Notwehr einen Unschuldigen töten", sagt von Galen am 3. August 1941 in seiner wohl bekanntesten Predigt.