ABI 2018 - Die Revolution muss warten!

122 Absolventinnen und Absolventen der Friedensschule erwerben die Allgemeine Hochschulreife

Auf diesen Samstagmorgen in Münster-Mecklenbeck haben 122 Abiturienten acht oder neun Schuljahre lang hingearbeitet. Nun dürfen sie Jeans und T-Shirt gegen den modischen Anzug oder das elegante Kleid eintauschen, in der prall gefüllten Friedensschulaula Platz nehmen und - zuhören. Ja, wieder einmal sitzen sie da, freuen sich still, lächeln sich etwas stolz zu und nehmen Hinweise, kluge Ratschläge und Lebensweisheiten auf. Und das tun sie, obwohl sie mit ihrem Motto ABIvolution 2018 ja eigentlich aktiv werden und die revolutionären Zeiten einläuten wollten. Aber das musste warten.

"[...] prüfet aber alles, und das Gute behaltet." (1. Thess. 5.21)

Als Schulleiter verwies Ulrich Bertram auf die charakterlichen Stärken dieser "ehrlichen, vernünftigen, verantwortungsbewussten Absolventen", was diese geradezu verpflichte, Rückgrat zu zeigen und in Zeiten medialer Vereinnahmung des Menschen für die "richtigen" Ideale einzustehen. Und hier verweist der Redner auf Paulus, der seine Gemeinde mit den Worten: "[...] prüfet aber alles, und das Gute behaltet." mahnend entlässt. Genau dazu ermutigt Bertram seine Abiturientia, wodurch die bevorstehende Revolution in eine allmählich wachsende Evolution verwandelt würde. Mit dieser maßvollen, prüfenden Art, Geschichte zu schreiben, können sich auch der für die Stufe zuständige Beratungslehrer Michael van Husen und Oberstufenkoordinatorin Brigitte Ontrup arrangieren. Liebevoll hatte "Kreativdirektorin" Sabine Lindenbaum ein Ensemble an renommierten Wissenschaftlern, die fachlich Revolutionäres geleistet haben, wie Johannes Gutenberg, Marie Curie u.a. erwählt. Ihre Konterfeis zierten die Schilder, mit denen die Tutoren ihre "revolutionäre Zelle" (=ihren Leistungskurs) zur Zeugnisübergabe begleiteten. Dann wurden die Zeugnisse feierlich überreicht. Auf der Rückseite der erwähnten Schilder konnten die Zuschauer nun das Motto lesen, das der Jahrgang für sich gewählt hatte: ABIvolution 2018.

Gestaltet die Zukunft mit Leidenschaft!

Als Vertreterin des bischölichen Generalvikariats sprach Judith Henke-Imgrund zum Humboldtschen Bildungsbegriff, plädierte dafür, Rückzugsorte wie die Friedensschule zu etablieren und zu erhalten. Dies sei das Bestreben des Bistums, das mit seinen Ersatzschulen einen Gegenentwurf zur ökonomisch-technisierten digitalen Welt entwickelt. Erst dann komme es zwischen Selbst und Welt zum Austausch, also zur Bildung: "Erst wenn ich mich kenne und verortet habe, kann ich auf die anderen wirken." Der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, des sogenannten Reifezeugnisses, verpflichte die jungen Menschen, die Zukunft zu gestalten auf der Grundlage der christlichen Werte.

Wir haben es geschafft!

Herr Zahlmann, der Elternvertreter, richtet den Blick auf das Befinden der Eltern in diesem feierlichen Moment. Es sei der Stolz darüber, diese Station nach einer vielleicht wechselvollen Schullaufbahn erreicht wurde. Und wie denken die Jugendlichen, die Ausdauer, Kraft und Leidensfähigkeit bewiesen haben? Stella Rawe und Eleni Kremeti reden stellvertretend für den Jahrgang. Sie erinnern an die Einschulung mit einem Luftballon für jedes Kind, an den weichen Teppichboden im Klassenzimmer und an die Tische, die sie mit kleinen Markierungen versahen, um etwas "von uns für die Zukunft zu hinterlassen." In den vergangenen Jahren sei die Schule nicht nur ein Lern-, sondern ein Lebensort gewesen, der Raum für allerlei Mutproben - diese werden hier nicht näher ausgeführt - und zwischenmenschliche Kontakte geboten habe. Aber nun seien sie ganz plötzlich die Großen geworden, vor denen die Kleinen natürlich keinerlei Respekt hätten. Dennoch möchten wir mit Elenis Mutter sagen: "Wir haben es geschafft - miteinander!"

[DET]