04. und 05.07.2019 Oswiecim, Stammlager I und Auschwitz Birkenau

Zwei sehr intensive Tage liegen hinter uns. Wir machten uns mit der 800jährigen wechselvollen Geschichte der Stadt Oswiecim vertraut und erfuhren viel Interessantes über die „Aktion Sühnezeichen“ und die Entstehung unseres Jugendgästehauses, das seit 2000 ein Haus der Begegnung und Aussöhnung ist.
Im Zentrum stand allerdings die Begegnung mit den Gedenkstätten. Die Führung durch das Stammlager I löste in vielen Schülerinnen und Schülern viele ambivalente Gefühle aus und zwar sowohl angesichts Vergangenheit als auch der Gegenwart. Der Schrecken der Vergangenheit wird durch das Lager selbst, die Exponate und Fotos sehr drastisch deutlich. Allerdings gelingt es hier nur schwer, das alles aufzunehmen, innezuhalten und darüber nachzudenken, weil in der Gegenwart große Besucherströme durch das Lager geleitet werden. Das sorgt für Hektik und Begegnungen mit Menschen, die völlig unvorbereitet, mit ihren kleinen Kindern oder in unangemessener Kleidung, vielfach von Touristikunternehmen aus Krakau durch das ehemalige Konzentrationslager geführt werden.

Auch in Auschwitz-Birkenau begegneten wir solchen Touristen, aber hierhin kommen nicht mehr ganz so viele und hier hatten wir auch den Raum mit unserer Begleiterin in den Austausch zu treten und vieles zu erfahren, was wir künftig in Gesprächen verarbeiten müssen. Die Dimensionen dieser Lagerkomplexe sind erschreckend, aber das Verbrechen, welches hier geschah, hat durch die Gaskammern und Krematorien ein noch viel größeres weiterhin unbegreifliches Ausmaß.

Gedenkstättenfahrt: 02.-03.07.2019 Krakau

In den letzten beiden Tagen haben wir uns intensiv mit der Geschichte Krakaus, dem Verhältnis zwischen Deutschland und Polen und dem jüdischen Leben in Polen und im Besonderen in Krakau auseinandergesetzt.
Viele Eindrücke haben auf uns eingewirkt: die Schönheit der Stadt im Südosten Polens und die Fülle an Kultur und Geschichte. Am gestrigen Nachmittag hat dann die Erinnerungskultur Krakaus an die jüdische Geschichte großen Raum eingenommen und wir mussten feststellen, dass diese wahrscheinlich eine andere wäre, hätte es den berühmten Film „Schindlers Liste“ nicht gegeben. Seitdem kommen die Touristen nach Krakau und suchen nach Spuren. Inzwischen finden sie auch zunehmend welche. Schilder weisen auf das jüdische Viertel Kazimierz, das in den letzten Jahren eine Gentrifizierung erlebt hat und in dem sich auch wieder jüdische Restaurants angesiedelt haben. In der Tempelsynagoge und in der Remuhsynagoge konnte der Unterschied zwischen Reformjudentum und orthodoxem Judentum auch architektonisch deutlich gemacht werden. Die Emailfabrik Oskar Schindlers ist zum Museum ausgestaltet worden. Die Villa Amon Göths ist allerdings eine von einer Familie bewohnte und aufwändig sanierte Luxusimmobilie. Das ehemalige KZ Plaszów wird seit anderthalb Jahren zum Erinnerungsort. Große Hinweistafeln sind auf dem großen parkähnlichen Gelände aufgestellt worden mit Fotos und Informationen über das Leiden der am Ende 20.000 Opfer, die hier leben, zumeist im Steinbruch arbeiten mussten und dem „Schlächter von Plaszów“ und seinen Helfern ausgeliefert waren.
Inzwischen sind wir in Oswiecim angekommen, haben unsere Zimmer in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte bezogen und erste Eindrücke aus dem Bus aufgenommen: verwaiste Schienenstrecken neben hübschen Häusern und Gärten, Einkaufszentren mit Großraumkinos und dann Mauern, Stacheldraht, Backsteingebäude und hohe Wachtürme: das Museum des Stammlagers I mitten im Ort.

Gedenkstättenfahrt: Newsticker

23 Schülerinnen und Schüler der Q1 sind gerade auf Gedenkstättenfahrt. Zur Zeit sind wir noch in Dresden und reisen heute weiter nach Krakau.
Gestern haben wir uns in der Gedenkstätte Pirna Sonnenstein intensiv mit dem Thema „Euthanasie“ auseinandergesetzt. Wir beschäftigten uns in einer Führung und in Workshops mit den ideologischen Ursprüngen, der nationalsozialistischen Propaganda und dem Geschehen vor Ort und erfuhren, dass die Nationalsozialisten „in der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein [...] in den Jahren 1940/41 rund 13720 vorwiegend psychisch kranke und geistig behinderte Menschen (ermordeten). Sie wurden im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde, der sogenannten „Aktion T4“, in einer Gaskammer im Keller der Anstalt umgebracht. Weiterhin starben an diesem Ort im Sommer 1941 mehr als tausend Häftlinge aus nationalsozialistischen Konzentrationslagern im Rahmen der „Sonderbehandlung 14f13“ (https://www.stsg.de/cms/pirna/startseite).

Auch Kardinal von Galen begegnete uns hier, denn seine Predigten bewirkten, dass das Töten an diesem Ort mitten in Pirna eingestellt wurde. Jedoch zogen die ausführenden SS-Leute und Ärzte an andere Orte weiter, um ihr hier erworbenes Wissen für die fabrikmäßigen Massentötungen in den Konzentrationslagern einzusetzen.

Schließlich beleuchteten wir die Geschichte der Gedenkstätte und dabei wurde deutlich, dass dieser Ort erst nach der Wende und Einheit auf Initiative von Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Pirna, überregional Interessierten sowie Angehörigen der Ermordeten, die sich seit 1991 zum „Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e.V.“ zusammengeschlossen hatten, im Jahr 2000 als Gedenkstätte am historischen Ort eingeweiht worden ist.

Gedenkstättenfahrt 2019

Am 29. April 2019, hatten wir, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Q2, die an der diesjährigen Gedenkstättenfahrt teilnehmen werden, die Möglichkeit, in der Villa ten Hompel den Fragen nach Tätern und Opfern der NS-Zeit nachzugehen. Dabei standen besonders die Geschichte Polens im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Polen sowie unsere Erwartungen im Zusammenhang mit dem im Juli bevorstehenden Besuch der Gedenkstätte Auschwitz im Vordergrund.

Während des Projekttages wurden wir von einem Studierenden-Team der Villa ten Hompel unter der Leitung von Stefan Querl unterstützt und begleitet. Nach einer Vorstellungsrunde konnten wir uns in Kleingruppen mit Fotos und Aussagen über die Gedenkstätte Ausschwitz in die Thematik einfinden und erste Diskussionen über Erinnerungskulturen, den Umgang mit Gedenken und die Gestaltung von Gedenkstätten führen.

Nach einer kurzen Pause hielt Stefan Querl einen knappen Vortrag über die Geschichte Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion und erläuterte die historische Ausgangslage im Vorfeld, während und nach dem Zweiten Weltkrieg näher. Der Vortrag diente zum einen zur Vorbereitung auf unsere Fahrt nach Polen, zum anderen leitete er unsere nächste Aufgabe ein, bei der wir Fotos von Kriegsverbrechen aus dem Jahr 1941 untersuchen konnten, die im polnischen Dorf Tarnopol geschehen sind. In Kleingruppen hatten wir die Möglichkeit, fünf Fotos genauer zu betrachten und uns über Auffälligkeiten auszutauschen. Hierbei war es besonders interessant, einmal in die Rolle von Historikerinnen und Historikern zu schlüpfen. In einer gemeinsamen Besprechung wurden dann Fragen geklärt und Stefan Querl erklärte uns, dass eine Falschbeschriftung der Fotos jahrelang zu falschen Annahmen in Bezug auf Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht geführt habe, obwohl die auf den Fotos gezeigten Opfer dem sowjetischen NKWD zuzuordnen sind, der in Tarnopol ebenfalls Massenerschießungen vorgenommen hatte (Vgl. dazu https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8541428.html). Die Arbeit verdeutlichte uns die Schwierigkeit des Belegens historischer Ereignisse anhand von fotografischen Quellen. Außerdem konnte so deutlich werden, dass in Polen sowohl von deutscher als auch von sowjetischer Seite Kriegsgräuel an Polen christlichen und jüdischen Glaubens verübt worden sind.

Anschließend setzten wir uns mit einem Fall im Warschauer Ghetto auseinander, bei dem ein Soldat einem kleinen Mädchen in die Füße schoss, um sie für das Schmuggeln von Lebensmitteln zu bestrafen. Ein Teil von uns bereitete die Seite der Ankläger, ein Teil die Seite der Verteidiger vor. In einem gespielten Gerichtsverfahren konnten wir innerhalb unserer Rollen diskutieren und schließlich ein Urteil fällen bzw. uns persönlich noch einmal zu dem Fall positionieren.

Insgesamt war der Tag eine gute Vorbereitung für die anstehende Gedenkstättenfahrt, da wir uns mit der historischen Lage in Polen auseinandersetzen und Diskussionen über Formen des Erinnerns führen konnten. Das Team der Villa ten Hompel hat uns überaus herzlich empfangen, sodass direkt eine gute Arbeitsatmosphäre herrschte und ihre Mitarbeiter haben uns während des Nachmittages wertvolle Denkanstöße gegeben. Vielen Dank dafür.



Maja Giesbert (Q1)