Gedenkstättenfahrt 2019

Am 29. April 2019, hatten wir, eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Q2, die an der diesjährigen Gedenkstättenfahrt teilnehmen werden, die Möglichkeit, in der Villa ten Hompel den Fragen nach Tätern und Opfern der NS-Zeit nachzugehen. Dabei standen besonders die Geschichte Polens im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts Polen sowie unsere Erwartungen im Zusammenhang mit dem im Juli bevorstehenden Besuch der Gedenkstätte Auschwitz im Vordergrund.

Während des Projekttages wurden wir von einem Studierenden-Team der Villa ten Hompel unter der Leitung von Stefan Querl unterstützt und begleitet. Nach einer Vorstellungsrunde konnten wir uns in Kleingruppen mit Fotos und Aussagen über die Gedenkstätte Ausschwitz in die Thematik einfinden und erste Diskussionen über Erinnerungskulturen, den Umgang mit Gedenken und die Gestaltung von Gedenkstätten führen.

Nach einer kurzen Pause hielt Stefan Querl einen knappen Vortrag über die Geschichte Polens zwischen Deutschland und der Sowjetunion und erläuterte die historische Ausgangslage im Vorfeld, während und nach dem Zweiten Weltkrieg näher. Der Vortrag diente zum einen zur Vorbereitung auf unsere Fahrt nach Polen, zum anderen leitete er unsere nächste Aufgabe ein, bei der wir Fotos von Kriegsverbrechen aus dem Jahr 1941 untersuchen konnten, die im polnischen Dorf Tarnopol geschehen sind. In Kleingruppen hatten wir die Möglichkeit, fünf Fotos genauer zu betrachten und uns über Auffälligkeiten auszutauschen. Hierbei war es besonders interessant, einmal in die Rolle von Historikerinnen und Historikern zu schlüpfen. In einer gemeinsamen Besprechung wurden dann Fragen geklärt und Stefan Querl erklärte uns, dass eine Falschbeschriftung der Fotos jahrelang zu falschen Annahmen in Bezug auf Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht geführt habe, obwohl die auf den Fotos gezeigten Opfer dem sowjetischen NKWD zuzuordnen sind, der in Tarnopol ebenfalls Massenerschießungen vorgenommen hatte (Vgl. dazu https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8541428.html). Die Arbeit verdeutlichte uns die Schwierigkeit des Belegens historischer Ereignisse anhand von fotografischen Quellen. Außerdem konnte so deutlich werden, dass in Polen sowohl von deutscher als auch von sowjetischer Seite Kriegsgräuel an Polen christlichen und jüdischen Glaubens verübt worden sind.

Anschließend setzten wir uns mit einem Fall im Warschauer Ghetto auseinander, bei dem ein Soldat einem kleinen Mädchen in die Füße schoss, um sie für das Schmuggeln von Lebensmitteln zu bestrafen. Ein Teil von uns bereitete die Seite der Ankläger, ein Teil die Seite der Verteidiger vor. In einem gespielten Gerichtsverfahren konnten wir innerhalb unserer Rollen diskutieren und schließlich ein Urteil fällen bzw. uns persönlich noch einmal zu dem Fall positionieren.

Insgesamt war der Tag eine gute Vorbereitung für die anstehende Gedenkstättenfahrt, da wir uns mit der historischen Lage in Polen auseinandersetzen und Diskussionen über Formen des Erinnerns führen konnten. Das Team der Villa ten Hompel hat uns überaus herzlich empfangen, sodass direkt eine gute Arbeitsatmosphäre herrschte und ihre Mitarbeiter haben uns während des Nachmittages wertvolle Denkanstöße gegeben. Vielen Dank dafür.



Maja Giesbert (Q1)