Industriekultur im Textilmuseum Bocholt

Am 9. Mai 2019 besuchten wir, die beiden Geschichts-LKs der Q1, das Textilmuseum Bocholt. Dort wurden wir auf einem nachgebauten Fabrikgelände über die Anfänge und die Blütezeit der Textilindustrie in Westfalen informiert.
Am Morgen starteten wir von der Friedensschule mit dem Bus Richtung Bocholt. Nach der einstündigen Busfahrt wurden wir von zwei netten Damen empfangen, die später die Führungen leiteten.
Für diese Führungen wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Unsere Gruppe besichtigte zuerst das Haus eines Webermeisters, das sich so früher auf einem Fabrikgelände befunden hatte. Die Familien verdienten nicht viel, sodass sie auch als Selbstversorger Vieh hielten und einen Garten bewirtschafteten. Außerdem konnten auch sogenannte Kostgänger bei ihnen Schlafstätten finden. Im Vergleich zu Textilarbeitern in der Großstadt ging es ihnen hier im ländlichen Raum jedoch vergleichsweise gut und die von den Fabrikanten errichteten Reihenhäuser waren nach damaligen Maßstäben sogar recht komfortabel.
Danach widmeten wir uns dem Hauptgebäude, in dem wir uns zuerst die Arbeitsbedingungen des Heizers am Kohleofen und als nächstes die große, mit Fliesen und hohen Holzdecken versehene, fast an eine Kirche erinnernde Halle mit der Dampfmaschine, dem Herzen der Fabrik, anschauten. Auch eine Werkstatt beinhalteten die Fabriken damals, damit die Maschinen schnell und vor Ort repariert werden konnten. Zum Ende des ersten Teils wurde uns noch die Weberei gezeigt. Diese befanden sich in einem Raum und als die Maschinen eingeschaltet wurden, war es sehr laut. Interessant waren hier auch die Kontrollmechanismen der Firmen, wie die Stechuhr am Eingang der Halle unmittelbar neben dem Kontor. Kam ein Arbeiter zu spät, war der Kasten mit den Stempelkarten bereits abgeschlossen, sodass sich derjenige erst einmal im Kontor melden musste, in dem auch der Fabrikant saß. Nach Standpauke und Geldabzügen konnte der Arbeiter dann schließlich seinen Dienst antreten. Kontrolliert wurde er dann vom Meister, der von seiner verglasten Meisterbude aus einen guten Überblick über die Webstühle hatte.

Im zweiten Teil der Führung sahen wir das Kontor, das Geschäftszimmer, in dem die Buchhaltung stattfand und die Löhne ausgezahlt wurden. Zum Schluss durften wir auch einmal selbst ausprobieren mit Gänse- und Stahlfedern in Kurrent, der damaligen Schreibschrift, zu schreiben. Dabei wurde klar, dass ein Schreiber der damaligen Zeit eine anspruchsvolle Arbeit zu erledigen hatte, und die sauber geschriebenen Geschäftsbücher beeindruckten noch einmal mehr.
Die andere Gruppe besichtigte außerdem die seit 2011 zum Museum gehörende Spinnerei. Dort konnten sie sich mit Hilfe des Biparcours-Spiels „Bist du ein Macher?“ der Perspektive der Unternehmer annähern. Um 12:45 Uhr machten wir uns alle gemeinsam vom Bocholter Aasee wieder auf den Heimweg Richtung Friedensschule.
Insgesamt war es eine gelungene Exkursion, die die Inhalte aus dem Unterricht vertiefte und erweiterte. Dieses geschah vor allem durch die gelungene museale Darstellung der verschiedenen Arbeits- und Lebensbedingungen.
Unser Dank gilt auch dem Förderverein der Friedensschule und dem Mobilitätsfond des LWL, die diese Exkursion finanziell unterstützten.
Victoria Rabeneck und Helena Tietmeyer (Q1)