Verabschiedungen im Kalenderjahr 2004

Zum 1. 2. 2004

Nach 34 Jahren an der Friedensschule hieß es zum Halbjahr für Herrn Pötter Abschied nehmen von einem Leben als Lehrer, wie es an Intensität und Effektivität nur selten realisiert wird. Karlheinz Pötter wurde 1940 in Hamm geboren, besuchte in Brilon und ab 1947 in Dülmen die Schule, studierte in Münster, München, Manchester und Dublin. Ab 1966 absolvierte  er in Burgsteinfurt und am Gymnasium Sankt Mauritz die Referendarzeit, erhielt seine erste Stelle am Stein-Gymnasium in Hamm und wechselte 1970 zur Gründergeneration der Friedensschule Münster.

Von Anfang an war Karlheinz Pötter bei der Konzeption und Durchführung eines entscheidenden Lernbereiches der Friedensschule federführend: Er entwickelte vor dem Hintergrund eines großzügigen Engagements seitens des Bistums Münster das pädagogische Konzept und die organisatorische Struktur für die Mediothek der Friedensschule, die im Mai 1973 von Bischof Tenhumberg eingeweiht worden ist. Von Anfang an verfolgte er konsequent, mit der nötigen Beharrlichkeit und mit nicht zu übertreffender Energie die Gestaltung dieses zentralen Raumes des pädagogischen Geschehens an der Friedensschule. Der für Bibliotheksfachleute ungewöhnliche Ansatz Pötters, die Mediothek für alle Schüler ständig ganztägig nutzbar zu machen und in einer Mischform von zentralen und dezentralen Organisationsstrukturen den Bücherbestand und die Räumlichkeiten konsequent und hartnäckig immer für den Unterrichtsalltag zu nutzen, hat bundesweiten Vorbildcharakter. So ist es verständlich, dass Pötter schon 1974 auf der  Didacta in Nürnberg einen Vortrag über Mediotheken an Schulen hielt, drei Fernsehsendungen in WDR 3 gestaltete, etwa 140 Medios in Zentraleuropa bei der Entstehung beraten hat, bei 240 Schulen an der Lehrerfortbildung  beteiligt war und auch die Mediothek der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh beraten hat. Durch etwa dreißig Aufsätze und zwei Bücher hat Pötter die Planung und praktische Benutzung von Mediotheken  für unzählige Schulen möglich gemacht.  Seit 1997 wird das Ausleihsystem für den Computereinsatz umgestellt und nach jahrelanger Kleinarbeit ist die Umstellung der Notationen und das neue Ausleihsystem rechtzeitig zum Ausscheiden von Karl-Heinz Pötter im Augenblick des Wechsels in Betrieb genommen worden. So sind jedem Schüler die individuelle Materialsuche und  eine umfassende Medienzusammenstellung im Rahmen der ganztägigen Schulbetriebs möglich.

Neben den Verdiensten um die Mediothek hat sich Karlheinz Pötter von Anfang an um die pädagogische Ausrichtung des Englischunterrichts an der Gesamtschule gekümmert. Er entwickelte zusammen mit Hans Eberhard Piepho das Lehrbuch "English for a start", das die gesamtschulspezifische Didaktik umsetzte.   Die zahlreichen Sitzungen, die Karlheinz Pötter als Vorsitzender der Fachkonferenz Englisch an der Friedensschule geleitet hat, gaben bei der Abschiedsfeier Stoff für manche Anekdoten. Als langjähriges Mitglied der Landesfachkonferenz Englisch sorgte Pötter maßgeblich mit dafür, dass die Standards für den Englischunterricht an den Gesamtschulen verankert wurden.

Bei der Abschiedsfeier waren drei Ehrengäste da, denen sich Karlheinz Pötter besonders verbunden fühlt: Monika und Michael Kannengießer hatten sich als Schüler in Karlheinz Pötters erster Klasse an der Friedensschule kennen gelernt und haben ihren früheren Klassenlehrer vor kurzem als Eltern wiedergetroffen, weil er  in seiner letzten Englischklasse den Sohn Martin unterrichtet hat. Mit dieser Klasse schloss sich für Pötter auch der Kreis eines anderen Wirkungsbereiches, den er unermüdlich mit Ideen und Einsatzbereitschaft ausgefüllt hat: Er war von Anfang an der "Photograph" der Friedensschule und schoss in dieser seiner Eigenschaft 1972 ein Photo seiner Klasse auf einer der Freitreppen der Friedensschule, das 2002 beim dreißigjährigen Jubiläum der Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen als Vorlage für das landesweite Plakat diente. Die Geschichte der Friedensschule hat Pötter auf ungefähr zweihundert Fotoseiten dokumentiert.

Die Friedensschule entlässt Karlheinz Pötter nur ungern und ist für seine Verdienste um den Englischunterricht und die Mediothek dankbar. Die Kolleginnen und Kollegen wünschen Karlheinz Pötter für den Ruhestand, dass er die Dynamik, die Umsicht, den eisernen Willen und die selbstvergessene Einsatzbereitschaft, die sein berufliches Leben geprägt haben, weiterhin in seinen neuen Aufgabenfeldern durchtragen kann.

Zum Schuljahresende

"Niemals geht man so ganz - irgendwas von dir bleibt hier" - mit diesen Worten verabschiedete Ulrich Bertram, für die Friedensschule zuständiger Referent des Generalvikariats, die sechs in den Ruhestand Scheidenden. Mit einem Gottesdienst begann die Verabschiedungsfeier. Zuerst wurden der stellvertretende Schulleiter, Lutz Löher und der Chef der Verwaltung, Hans Koch, verabschiedet. Danach wurde Kollegin Gertrud Zago und die Kollegen Jürgen Strieker, Peter Grund und Fritz Howar verabschiedet. Die Feier wurde musikalisch vom Schulorchester unter der Leitung von Ulrich Siepe und der Lehrer-Combo unter der Leitung von Dieter Niermann gestaltet.

von links: Jürgen Stricker, Hans Koch, Fritz Howar, Gertrud Zago, Lutz Löhr, Peter Grund

Herr Löher begann seine berufliche Tätigkeit mit einer Ausbildung in der Verwaltung und leitete einige Jahre das Diözesanbüro der katholischen Jugend in Mettingen. Danach machte er die Lehrerausbildung und qualifizierte sich am Institut für christliche Soziallehre weiter. Die Verbindung von sozialem Engagement mit der Fähigkeit zu effizienter Verwaltung prägte das berufliche Leben von Lutz Löher an der Friedensschule vom Beginn an bis heute. Im Bereich Gesellschaftslehre entwickelte er immer wieder neue Ideen und gab zahlreichen Initiativen an der Friedenschule den organisatorischen Schliff. So ist es vor allem auf Löhers Betreiben zurückzuführen, dass die Friedensschule seit zwanzig Jahren jedes Jahr im November eine große Adventswanderung durchführt, deren Ertrag ohne Nebenkosten der Entwicklungsarbeit in Sri Lanka zufließt. Neben diesem außerordentlich engagiertem sozialpolitischen Engagement in Unterricht und Freizeit hat Löher an der Friedensschule das Konzept für die Organisationsleitung dieses komplexen Systems entwickelt und installiert. Die organisatorische Umsetzung von sich ändernden Stundentafeln, von wechselnden Differenzierungsmodellen, vom Ganztagesbetrieb und pädagogischen Initiativen verlangte von Löher die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen, immer ruhig zu bleiben und nie den klaren Blick für die Struktur zu verlieren. All das hat er über 35 Jahre lang mit Bravour gemeistert und auch immer wieder die Zeit gefunden, in begleitenden Schriften zum Schulversuch Friedensschule das eigene Tun zu reflektieren. Das schwierige Geschäft der Vertretungspläne meisterte er mit Charme und dem nötigen Durchblick. Auf die übereinstimmenden Vorstellungen in Bezug auf Grundsatzfragen beim Management einer katholischen Schule wies Schulleiter Klaus Herold in seiner Abschiedsrede hin und dankte für die gelungene Zusammenarbeit und Loyalität. Dass Löher mit wundem Herzen einerseits, mit offenem Blick für die Zukunft andererseits die Friedensschule verlässt, betonte der Referent des Generalvikariats, Ulrich Bertram. Der scheidende Stellvertreter hat noch viele Pläne für sein Leben jenseits von Schule. Die Chancengleichheit von Minderheitengruppen im globalen Kontext wird ihm weiterhin ein Anliegen sein. So wird die Zusammenarbeit mit dem Institut für Ethnologie, das sich in der Vergangenheit wiederholt auf Grund seiner Initiative an der Friedensschule betätigt hat, ein Schwerpunkt seiner Arbeit bleiben. Als Vertreter der Elternschaft wünschten Sabine van der Poel und Georg Schulze-Dieckhoff, selbst ehemalige Friedensschüler, ihrem ehemaligen Lehrer alles Gute. Die Friedensschule wird in einzelnen Strukturen des Alltagslebens immer wieder Spuren von Lutz Löhers Arbeit finden und ist ihm dankbar dafür.

Die äußeren Strukturen für pädagogisches Engagement, sozusagen die Hardware der Friedensschule, hat der gelernte Verwaltungsamtmann Herr Koch entscheidend mitentwickelt und geprägt. Mit seinem Können, seinem Einsatz und seiner Geradlinigkeit hat er einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass diese Schule solide verwaltet werden kann. Koch absolvierte zunächst eine Lehre als Stukkateur, war fünf Jahre Zeitsoldat und erwarb nebenher die Trainerlizenz an der Sporthochschule Köln. Diese breite berufliche Vorerfahrung war ihm für die Arbeit an der Friedensschule von Vorteil: Herrn Koch kann in Sachen Sport, Hallenausstattung, Pflege von Plätzen und Schwimmbadbetreuung, Gebäudesanierung und -unterhaltung bis heute niemand etwas vormachen. Davon profitierte die Schule bei der Finanzplanung, bei Abrechnungen, bei Verhandlungen mit Bauträgern und dem Generalvikariat, beim Umbau der Küche, die täglich über tausend Essen ausgibt, bei Pflege der Außenanlagen, bei zahllosen kleinen Verwaltungsvorgängen des Alltags. In seiner klaren, ruhigen und freundlichen Art hat er entscheidenden Anteil daran, dass an der Friedensschule zwischen Verwaltung, Schulleitung, Lehrerschaft und Elternschaft ein Klima des vorbehaltlosen Vertrauens herrscht. "Es war viel und es war harte Arbeit - aber gegenseitigen Stress haben wir uns nicht gemacht" betonte Schulleiter Klaus Herold in seiner Abschiedsrede.

Herr Strieker hat 33 Jahre an der Friedensschule die Fächer Sport und Mathematik unterrichtet, bei der Erstellung der Stundenpläne mitgearbeitet, Vertretungspläne gemacht, Mehrarbeit abgerechnet und die alljährliche Statistik erstellt. Besonders die Umstellung vom noch handgesteckten Stundenplan zum computergesteuerten Plan hat er mit viel persönlichem Einsatz begleitet.
Seine unaufgeregte, besonnene und zuverlässige Art wird dem Kollegium der Friedenschule fehlen

Frau Zago kam vor zehn Jahren, nachdem sie schon viele Jahre an der Mädchenrealschule "Marienschule" in Borken unterrichtet hatte, an die Friedensschule. "Sie hat sich," wie Schulleiter Klaus Herold in seiner Abschiedsrede betonte, "zuverlässig und beharrlich dafür eingesetzt, dass die ihr anvertrauten Kinder etwas lernen, dass sie methodische, fachliche und soziale Kompetenzen erwarben." Im Fach Deutsch führte sie tagtäglich den konsequenten Kampf um leserliche Schrift, ordentliche Heftführung und Lesekompetenz. Die Vorbereitung der Lesewettbewerbe war ihr ein wichtiges Anliegen. Ein besonderes Verdienst hat sich Gertrud Zago dadurch erworben, dass sie die Idee der Babysitterkurse im Rahmen der Projektwoche entwickelte und zu einem festen Bestandteil der Projektwoche an der Friedensschule machte. Der Kurs hat sich, so Herold, "zu einem echten Renner entwickelt".
Alle Mitglieder des Kollegiums danken ihr für die gemeinsame Arbeit und für ihre Herzlichkeit und wünschen ihr für den Ruhestand alle Gute.

Herr Howar kam unmittelbar nach seinem zweiten Staatsexamen an die Friedensschule und unterrichtet dort seit 32 Jahren Mathematik, Physik und Technik. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag im Aufbau des Faches Arbeitslehre/Technik. Dabei engagierte sich Howar bei der Erstellung der entsprechenden Curricula und Materialien. Die dabei notwendige Improvisationskunst und Kreativität setzte er frei und organisierte mit großem persönlichem Einsatz einen lebensnahen und zugleich auch bezahlbaren Technikunterricht. Dafür ist ihm die Friedensschule dankbar. Howars Zusammenarbeit mit dem Institut für Technik und ihre Didaktik bereicherte den Friedensschulalltag um die sogenannten Bionik-Tage, bei denen Schüler, Lehrer, Professoren und Studenten gegenseitige Bereicherung erfahren. Zu danken hat die Friedensschule in besonderer Weise für Fritz Howars Engagement bei den Wettbewerben "Jugend forscht" und "Schüler experimentieren". Über viele Jahre hinweg hat er diese Wettbewerbe mitbetreut und Schülern geholfen, Preise zu bekommen. Ein weiteres Betätigungsfeld Howars war die Sicherheit der Schüler im Straßenverkehr. Er führte Mofakurse durch und kümmerte sich um die Schülerlotsen. Die Friedensschule sagt ihm ein herzliches Dankeschön und wünscht ihm, dass er den Ruhestand genießen kann.

Herr Grund kam 1974 an die Friedensschule und hat im Laufe der dreißigjährigen Unterrichtstätigkeit neben Mathematik und den Fächern der Gesellschaftslehre insbesondere Wirtschaft unterrichtet. Dies ist auch das Fach, das er mit Leidenschaft unterrichtete und für das er sich so eingesetzt hat, dass es an der Friedensschule mit ihren vielen Wahlkursen im neunten und zehnten Jahrgang im Kernunterricht erteilt ist, sodass jeder Friedensschüler in diesem lebensnahen Fach unterrichtet wird. Als Fachleiter für Wirtschaft und als Lehrbeauftragter der Universität sorgte er für den Austausch zwischen Universität, Lehrerausbildung und Schulpraxis. Gleichzeitig profilierte sich Grund für das Fach Politik, das er auf Jahrgangsebene koordiniert hat. Sein hohes Organisationstalent kam ihm beim Verwalten der Schulbücher zugute. Peter Grund freut sich auf den Unruhestand, denn er hat als Kommunalpolitiker in Senden und als reiselustiger Mensch noch so manches vor. Dazu wünscht ihm die Friedensschule alle erdenklich Gute.

Zum 9.9.2004

Die Küchenleitrin der FSM ging in den Ruhestand

Am Donnerstag, dem 9.9.2004 hatten die gut zwanzig zum großen Teil ehrenamtlich tätigen Mütter der Friedensschule und die in der Küche Angestellten keinen leichten Tag: Sie, die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und das Kollegium der Friedensschule mussten sich von ihrer langjährigen Küchenleiterin Maria Wienecke verabschieden, die in den wohlverdienten Ruhestand geht. Seit 1992 war Maria Wienecke hauptverantwortlich für die tägliche Essensversorgung der Friedensschüler  tätig. Kurz nach Antritt ihrer Tätigkeit kam schon die erste zu bewältigende Hürde, wie Schulleiter Klaus Herold erinnerte: Die dringend anstehende Überholung der Inneneinrichtung der Großküche verlangte von Maria Wienecke manchmal nachgerade prophetische Gaben: Wie viel Essen sind einzuplanen, was ist bei allen verständlichen Wünschen bezahlbar und machbar und wie kann bei vernünftiger Konzeption gut mit allen Beteiligten zusammengearbeitet werden? All diese Fragen löste Maria Wienecke in ihrer ausgeglichenen, freundlichen Art, wobei es ihr gelang, den hohen Anspruch an die Qualität des Essens mit dem organisatorisch komplizierten Ablauf im Rahmen des Ganztagesunterrichts an einer Gesamtschule  in Einklang zu bringen. Stets hatte sie ein Ohr für die Wünsche und Vorstellungen der Schüler. Sie organisierte in Übereinstimmung mit den Hauswirtschaftslehrerinnen Probekochen in der Schulküche, wobei die Schüler zugleich als Köche und als Vorkoster in die Pflicht genommen wurden. Die erfolgreiche Tätigkeit von Maria Wienecke wird aktuell an den über 1300 täglich ausgegebenen Essen an der Friedensschule deutlich. Dass neben der zu bewältigenden Menge die Qualität des Essens Maria Wieneckes erstes Anliegen war, wird nicht nur am täglichen Angebot von frischem Salat deutlich, sondern auch an ihrem dauernden Bemühen um vollwertige Ernährung, wobei niemand ideologisch unter Druck gesetzt wurde, was Margret Eising vom Team der Hauswirtschaftslehrer betonte. Wegen ihres umsichtigen Arbeitens und  des hohen Qualitätsstandards bekam Maria Wienecke von den Kollegen der Hauswirtschaft denn auch fünf "Michelin"-Sterne für die am besten geführte Schulkantine weit und breit. Als Meisterin des Ausgleichs und als Organisationstalent engagierte sie sich nicht nur bei der täglichen  Essensausgabe, sondern auch bei der Gestaltung gemeinsamer Ausflüge des Küchenteams, beim täglichen gesundheitsbewussten Pausenfrühstück, bei zahllosen pädagogischen Tagen des Kollegiums, bei den Treffen der Ehemaligen und bei Schulfesten. So dankten ihr das Kollegium, die Schülervertreter, die Elternvertreterin Sabine van der Poel und ihre Mitarbeiterinnen für ihr großartiges Engagement, ihre Kreativität und ihren erfolgreichen Einsatz für die Friedensschule. Unter Begleitung der Klänge der small-band unter der Leitung von Dieter Niermann ging es nahtlos zu einem vom Küchenteam wundervoll vorbereiteten Buffet über, nachdem Maria Wienecke symbolisch mit einer Riesen-Schöpfkelle das Zepter an ihre Nachfolgerin Birgit Weiß überreicht hatte. Die Friedensschule ist Maria Wienecke für ihre Art der Zuwendung an die Schüler dankbar und wünscht ihr das Beste für den Ruhestand.