Abschied von der Friedensschule

Viele Dinge hat Corona verändert, auch an unserer Schule, oft zum Negativen, in seltenen Fällen zum Positiven – aber eine Konstante bleibt: mit jedem Schuljahresende verlassen Kolleginnen und Kollegen die Friedensschule, gehen in den (Un-) Ruhestand oder wechseln an eine andere Schule. Im Corona-Sommer 2020 können sie aufgrund aktueller Hygienevorschriften allerdings vom Großteil des Kollegiums nur mit virtuellen Grußbotschaften verabschiedet werden – liebevoll zusammengestellt vom Lehrerrat der FSM.

„Es ist nicht wichtig, was die Leute über dich denken, wenn du kommst. Es ist wichtig, was die Leute über dich sagen, wenn du gehst.“ Mit diesen Worten eröffnete Schulleiter Ulrich Bertram die Verabschiedung im kleinen Rahmen.

Er dankte zunächst den Kolleginnen Ulrike Voigt (Latein und Italienisch), Kathrin Beckmann (Erdkunde und Katholische Religion) sowie Anna-Lena Düffels (Französisch und Italienisch) sehr herzlich für ihre engagierte Arbeit an der Friedensschule und wünschte ihnen für ihre neuen Tätigkeiten viel Erfolg.

Für unsere Kollegin Martina Dreyer war die Friedensschule eine Art „zweites Leben“. Nach 20 Jahren als Statikerin bei einer Münchner Baufirma, für die sie u.a. in Libyen tätig war, schlug sie einen anderen Weg ein und bekam an der FSM die Chance, als Seiteneinsteigerin ihr zweites Staatsexamen zu machen, und danach die Fächer Mathematik und Technik zu unterrichten. Oft wurde sie auch als Klassenlehrerin 5-7 eingesetzt. Eine Aufgabe, für die sie, so Ulrich Bertram und Stufenleiter Stephan Skuplik, sowohl von ihren Schülerinnen und Schülern als auch von deren Eltern sehr geschätzt wurde. Laut eigener Aussage hat sie beide Berufe, die unterschiedlicher kaum sein können, gerne ausgeübt – allerdings gefällt ihr das Lehrersein an der Friedensschule immer noch so gut, dass sie im nächsten Schuljahr „aus Leidenschaft“ noch fünf (!) fünfte Klassen in Technik unterrichten wird. Ihr Hobby, Architekturführungen durch Münsters Stadtteile und -viertel, wird also für die begeisterte Freizeitsportlerin noch eine Freizeitbeschäftigung bleiben! 

Die Friedensschule verabschiedet auch Maria Jonas (Englisch / Erdkunde) und Hanne Lohaus (Englisch / katholische Religion). Beide Kolleginnen kann man getrost in einem Satz nennen, so Ulrich Bertram, denn in ihrem schulischen Leben an der FSM traf man sie oft gemeinsam an! Beide hatten ihre Erstbegegnung mit der Friedensschule sogar an einem Feiertag: 1980 war der 17. Juni noch einer, und trotzdem fand an diesem Tag das jährliche „Schuljahresabschlussgrillen“ statt, an dem in Nicht-Corona-Zeiten neue Kolleginnen und Kollegen an der FSM von ihren jeweiligen Fachschaften begrüßt und mit der „Gebrauchsanweisung für die FSM“ ausgestattet werden. Beide fühlten sich, laut eigener Aussage, schnell heimisch und gut aufgenommen. Am 1. August 1980 ging es dann offiziell los - für Hanne Lohaus endet die Zeit an der FSM im Juni 2020, für Maria Jonas lief die reguläre Dienstzeit bereits im Januar 2020 aus, allerdings erklärte sie sich bereit, bis zum Sommer weiterzuarbeiten, um ihren Schülerinnen und Schülern einen Lehrerwechsel mitten im Schuljahr zu ersparen. 

Sie haben seitdem "mit viel Engagement und Herzblut" etliche Klassen als Klassenlehrerin begleitet (Maria Jonas insgesamt 36 Jahre lang!), oft in den Jahrgangsstufen 5 bis 7, aber auch in 8 bis 10, Klassenfeste gefeiert, unvergessliche Klassenfahrten erlebt und, so Maria Jonas schmunzelnd, den ein oder anderen Streich erdulden müssen! Auf Fahrten nach England im 7. und im 9. Jahrgang erprobten ihre Schülerinnen und Schüler im Unterricht erworbene Englischkenntnisse. Maria Jonas erzählt, mit welcher Freude sie beobachtete, dass sie oft idiomatische Wendungen aus dem Unterrichtsgespräch benutzten, die nicht in der Vokabelliste des Englischbuches vorkamen.     

Ein 40jähriges Lehrerleben besteht allerdings nicht nur aus Klassenfahrten und Schulfesten – beide Kolleginnen sahen sich immer wieder mit fachlichen Neuerungen, aber auch einer sich verändernden Schülerschaft konfrontiert, mussten sich der Herausforderung stellen, mit Englisch ab 2005 / 2006 kein Unterrichtsfach mehr zu unterrichten, das für unsere Fünftklässler neu ist und dem erwartungsfroh und ungeduldig entgegengefiebert wird. Laut Maria Jonas, die sich als "leidenschaftliche Pädagogin" beschreibt, galt es deshalb umso mehr, Schülerinnen und Schüler für den Unterricht zu interessieren, vielleicht sogar zu begeistern. Beide betonen ausdrücklich, dass diese Herausforderungen immer im kollegialen Miteinander angegangen wurden – und dass viele Kolleginnen und Kollegen über die Jahre zu guten Freunden und Freundinnen geworden sind.

Hanne Lohaus übernahm 2006 dann die Aufgabe der Schullaufbahnberaterin in der Unterstufe, ein neues interessantes Aufgabengebiet, in dem sie alle Höhen und Tiefen von G8 / G9 sowie innerer und äußerer Differenzierung und Fachwahlberatung WP I / WP II miterlebte. Dabei war sie sowohl in den zeitaufwendigen Prozess der Zusammenstellung des 5. Jahrgangs als auch in den der Neuzusammensetzung der 8. Klassen eingebunden; eine Aufgabe, die viele intensive Gespräche mit Tutoren und Fachlehrern, aber auch mit Schülern und Schülerinnen sowie deren Eltern erforderte, damit möglichst harmonische Kerngruppen gebildet werden konnten. Sowohl Ulrich Bertram als auch Stephan Skuplik als Stufenleiter 5-7 betonten, dass Hanne Lohaus diese Aufgabe der Schullaufbahnberatung mit großem Engagement und absoluter Zuverlässigkeit und Sachkenntnis erledigt habe. 

Maria Jonas war immer eine hilfsbereite und kompetente Ansprechpartnerin gerade auch für junge Kolleginnen und Kollegen, aber auch eine „echte Säule“ für die Schulleitung, so Ulrich Bertram, wenn es darum ging, als „Feuerwehrfachfrau“ in einer schwierigen Situation eine problematische Klasse zu übernehmen. Ihre Klarheit und strukturierte Vorgehensweise wurde von Eltern sehr geschätzt. Neben ihrer unterrichtlichen Tätigkeit engagierte sie sich im Fachvorsitz Englisch sowie im Personalrat unserer Schule und war dort lange die einzige Frau - und das bei einem überwiegend weiblichen Kollegium! Aus unseren Chorprojekten, u.a. zum Schuljubiläum, ist Maria Jonas nicht wegzudenken. 

Auch wenn beide betonen, dass sie viele schöne Unterrichtsstunden in allen ihren Fächern erleben durften, das Gefühl hatten, das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu wecken, den richtigen Beruf ergriffen zu haben, so freuen sich doch beide auf ein Leben, in dem sie nicht mehr so oft „ich habe keine Zeit“ sagen müssen, sondern in Ruhe Dinge tun können, die sie interessieren, z.B. Wandern, Fotografieren, Lesen und etwas unternehmen – und das sicherlich auch weiterhin oft gemeinsam!

Auch Leander Vierschilling räumt derzeit seine „Schulsachen“ auf – wahrhaftig kein leichtes Unterfangen und sicherlich nicht an einem Nachmittag getan! Ebenso wie Maria Jonas und Hanne Lohaus lebte und arbeitete Leander Vierschilling (Deutsch, Geschichte und Katholische Religion) fast 40 Schuljahre an der Friedensschule und war dabei in unterschiedlichsten Bereichen tätig.

In den Anfangsjahren war das, neben seiner unterrichtlichen Tätigkeit, vor allem die Erarbeitung einer „Handreichung für Tage Religiöser Orientierung für Schulen des Bistums Münster“ – als sog. „TRO 10“ bis heute ein fester Bestandteil des religiösen Profils der Friedensschule.

Es folgten erfolgreiche Theater- und Musicalprojekte mit den Jahrgängen 5/6, 7/8 und 9/10, in denen neben Schülerinnen und Schülern viele Lehrerinnen und Lehrer, teils schauspielernd, teils singend, teils tanzend mitwirkten.

Neben seiner nahezu durchgängigen Tätigkeit als Klassenlehrer und zeitweise auch der des SV-Lehrers engagierte sich Leander Vierschilling in besonderer Weise für die Fachgruppe Deutsch. Als Fachvorsitzender Deutsch erarbeitete er aktuelle Lehrpläne, koordinierte den Lernstand 8 und die zentralen Prüfungen 10.

Ausgehend von schulpraktischen Projekten zur Didaktik der Jugendliteratur im Fach Deutsch mit Studierenden war es dann nur noch ein kleiner Schritt zu seiner Tätigkeit als Ausbildungsbeauftragter (ABBA) für LehramtsanwärterInnen und Praxissemesterstudierende. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele angehende Pädagogen Leander Vierschilling erfolgreich durch ihre Ausbildung und im Examen begleitet hat – eine solche Statistik existiert allerdings leider nicht. Er prägte damit, so Ulrich Bertram, wesentlich die positive Wahrnehmung der Friedensschule als Ausbildungsschule.

Ein weiteres Projekt Leander Vierschillings, das seit Langem aus unserem Schulprogramm nicht mehr wegzudenken ist, ist die Buchenwaldfahrt im 9. Jahrgang, die in Kooperation mit der Villa ten Hompel und dem Franz-Hitze-Haus jährlich durchgeführt wird: im Fachunterricht Deutsch, Geschichte und Religion beschäftigen sich unsere Schülerinnen und Schüler mit den Verbrechen des Nationalsozialismus gegen die Menschlichkeit,. „Hinsehen, Nachdenken, Handeln!“ ist das Ziel dieser Erziehung zur Demokratie.

Für die Oberstufe entwickelte Leander Vierschilling ein weiteres Gedenkstättenprojekt und begleitete es als kundiger Reiseführer: auf der Fahrt über Dresden, die Euthanasie-Gedenkstätte Pirna Sonnenstein und Krakau nach Auschwitz / Oświęcim setzen sich unsere Schülerinnen und Schüler mit diesen Orten am Beispiel selbst erarbeiteter Opfer- und  Täterbiographien auseinander.

Es ist geplant, all dieses angesammelte Wissen zukünftig Freunden und Interessierten zugänglich zu machen -  und als erfolgreicher Netzwerker weiß Leander Vierschilling, wie wichtig es ist, am Ball zu bleiben und seine Kontakte zu pflegen!

Von ihren jeweiligen Fachgruppen bzw. dem Lehrerrat wurden alle Pensionäre nicht nur mit guten Wünschen, sondern auch mit kleinen Überraschungsgeschenken bedacht.

Iris Determann (Deutsch und Geschichte) verlässt im Sommer ebenfalls die FSM. In den bereits beschriebenen Geschichtsprojekten wirkte sie viele Jahre engagiert mit. Zudem war auch Iris Determann häufig als Klassenlehrerin bzw. Tutorin in der Unter-, Mittel und Oberstufe eingesetzt sowie als Fachvorsitzende Geschichte tätig. Mit großem Engagement leitete sie unsere Literaturkurse, aus denen oft Theateraufführungen hervorging. Die Organisation von Poetry Slams sowie die Einladung von Preisträgern des Lyrikertreffens Münster in die Friedensschule lagen ihr ebenso am Herzen wie der Theaterjugendring und die Öffentlichkeitsarbeit für unsere Schule.

Mit Peter Hoffmann verlässt ein weiteres „Urgestein“ die Friedensschule – man könnte sagen, Käpt’n Hoffmann (so sein langjähriger Spitzname) geht von Bord! Mit großer Ruhe und Geduld brachte er seinen Schülerinnen und Schülern die kompliziertesten Inhalte seiner Fächer Mathematik und Physik nahe. Seine sorgfältig erstellten Tafelbilder werden in Erinnerung bleiben! Ein besonderer Dank gebührt Peter Hoffmann, der ebenfalls jahrelang als Klassenlehrer, Tutor und Fachvorsitzender eingesetzt war, vor allem für seine große Hilfsbereitschaft – kein 10er Abschluss, keine Abiturfeier ohne seine organisatorische Hilfe beim Aufbau, hinter der Theke, beim Abbau.

Das Kollegium der Friedensschule wünscht unseren nun ehemaligen Kolleginnen und Kollegen alles erdenklich Gute und Gottes Segen!

Good-bye, arrivederci, au revoir – auf Wiedersehen!