Gedenkstättenfahrt der Q1

Was macht eine humane Gesellschaft aus? Mit dieser Frage beschäftigten sich 20 Schülerinnen und Schüler der Q1 vom 4. bis 10. Juli im Rahmen der diesjährigen Gedenkstättenfahrt nach Weimar.

Kaum ein Ort in Deutschland fordert mehr zur Auseinandersetzung mit dieser Fragestellung heraus wie diese Stadt: Wirkstätte von Schiller und Goethe, Zentrum der „Weimarer Klassik“, Geburtsort der „Weimarer Republik“; und dennoch – oder gerade deshalb – fand hier auch 1926 der erste Reichsparteitag der NSDAP nach Aufhebung des Parteiverbots statt, wurde hier die „Hitler-Jugend“ gegründet, planten die Nationalsozialisten, die Stadt zur „Musterstadt“ umzubauen und errichteten in unmittelbarer Nähe zur Stadt mit Buchenwald eines der größten Konzentrationslager des NS-Systems. Mit diesem Spannungsfeld setzten sich die Teilnehmenden der Gedenkstättenfahrt intensiv auseinander. Begleitet wurde die Fahrt von Frau Brandherm-Laukötter und Herrn Will sowie durch Leander Vierschilling als Referent für die Konrad-Adenauer-Stiftung, die die Fahrt durchgeführt und finanziell umfangreich gefördert hat.
Zunächst wurden der Park an der Ilm und die Anna-Amalia-Bibliothek erkundet. Dabei gewannen die Teilnehmenden einen Eindruck davon, welches humanistische Menschen- und Gesellschaftsideal die Klassiker der Goethezeit entwickelten, das auch heute noch unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung prägt.
Im Kontrast dazu beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Menschen- und Gesellschaftsbild des Nationalsozialismus und erforschten zentrale Orte der NS-Geschichte in Weimar. Ein Tagesseminar in der Gedenkstätte Buchenwald konnte die gewonnen Erkenntnisse noch vertiefen, ebenso wie der ganztägige Workshop im „Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus“.
Nicht nur Weimar selbst, sondern auch die thüringische Landeshauptstadt Erfurt mit ihrer reichen mittelalterlichen jüdischen Stadtgeschichte und dem Lernort „Topf und Söhne“ sowie die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora waren Ziele der Fahrt. Zum Abschluss der Woche setzte sich die Gruppe mit verschiedenen Formen von Erinnerungskultur in Vergangenheit und Gegenwart und in unterschiedlichen politischen Systemen auseinander, indem das zur DDR-Zeit erbaute monumentale Buchenwald-Mahnmal kritisch analysiert und die Installation „Konzert für Buchenwald“ der Künstlerin Rebecca Horn besucht wurde.
Die Teilnehmenden der Fahrt kehrten nach sieben ereignisreichen, emotional oft herausfordernden und zum Nachdenken anregenden Tagen mit vielen neuen Eindrücken nach Hause zurück. Ein Teilnehmenden-Feedback bringt es auf den Punkt: „Es macht etwas mit einem, wenn man die Orte alle persönlich sieht, wenn man von einzelnen Schicksalen erfährt. Das macht es realer. Durch Bücher und Texte kann man dieses Thema nicht verstehen“.