Impulse zu den Sonntags-Evangelien

Gedanken zum 7. Sonntag nach Ostern

„Ewiges Leben“ – Joh 17,1-11a

 

Was ist das Ewige Leben?
Wie stelle ich es mir vor?
Was bedeutet es mir?

Reinhard Mey beantwortet diese Fragen in seinem Lied:

„Du hast mir oft Fragen gestellt…“, nachdem eines seiner Kinder ihm die Frage nach dem Tod, und was danach komme, gestellt hat.

Einige Bilder aus dem Lied, die der Sänger gefunden hat, möchte ich Ihnen gerne nennen.

Ich stelle mir dieses Leben vor…

  • Wie einen Park mit grünen Bänken
  • Als Quelle des Lichts, vielleicht auch nichts
  • Ein guter Platz, um dort zu bleiben…

Kann man das Ewige Leben mit solch menschlichen Bildern beschreiben?
Treffen sie den Sinn für das, was mit der Ewigkeit gemeint ist?

Es gibt keine Worte und Bilder für das Ewige Leben, weil dieses Reich außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt. Sie beschreiben eigentlich mehr die Sehnsucht des Menschen und sind auch so zu verstehen.

Ludwig Feuerbach, ein Religionskritiker des 19. Jahrhunderts, lästert über diese Vorstellung. Die Christen hadern mit ihrer Endlichkeit und projizieren ein höheres Wesen - Gott - der sie von dieser Last befreit. Die Christen meinen, das Leben sei wie eine Kutschfahrt, am Ende wechsele man nur die Pferde und es gehe dann einfach so weiter, das ist sein Vorwurf.  

Diese Vorstellung hat allerdings nichts mit der biblischen Offenbarung zu tun. Der Tod, so der christliche Glaube, ist das endgültige Ende des irdischen Lebens – der Tod setzt diesem ein unbarmherziges Ende.

Der Christ weiss das. Deswegen liebt er das Leben, weil es

einzigartig ist. Es ist unser größtes Geschenk, deswegen müssen wir es wie eine kostbare Gabe jeden Tag neu mit Sinn erfüllen.

Der Tod, das ist das Ende von Raum und Zeit. Alles hier ist zeitlich begrenzt. Wie erleichtert sind wir, wenn ein schwerer Weg zu Ende gegangen ist. Und umgekehrt dürften Erfahrungen der Liebe niemals aufhören. Die Zeit begrenzt unser irdisches Leben, Gott aber steht über der Zeit, er ist zeitlos, er ist reine Liebe. Deshalb gibt es in der Ewigkeit Gottes keine Zeit.

Der Tod beendet das irdische Leben, aber es ist nicht alles aus, er hat nicht das letzte Wort. Es geht um Sein und Nicht-Sein. Wenn Jesus gestorben und auferstanden ist, wenn er lebendig erfahrbar wird wie den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus - allerdings ganz anders, so dass sie ihn zuerst nicht erkennen – dann werden auch wir lebendig bei Gott in seinem Ewigen Reich sein.

Der Evangelist Johannes sagt es so:

„Das ist das Ewige Leben, dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,3)

Erkennen meint schauen, tiefer hineinschauen. Schau, wie sehr Jesus Christus seine ganze Schöpfung und den Menschen liebt.

Schau auf Sein Leben, stell dich unter Sein Kreuz, blick in Sein liebendes Angesicht und du weisst, was das Ewige Leben ist.

„Glücklich ist, wer schaut, was er liebt“, so sagt es Josef Pieper, ein wunderbarer Satz. Mit diesem Wort gehe ich durch die Woche und hoffe, dass es auch Sie berührt.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen

Ihr
Pastor Thomas Laufmöller